Die Ölpreise haben ihren jüngsten Anstieg fortgesetzt und ein Fünfmonatshoch erreicht. Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent kletterte zeitweise auf 111,05 US-Dollar je Barrel. Auslöser sind vor allem wachsende geopolitische Risiken rund um den Nahen Osten sowie neue Spannungen an der Straße von Hormus.
- Brent steigt über 111 Dollar je Barrel
- Iran bekräftigt Anspruch auf Straße von Hormus
- Angriffe auf Schifffahrt erhöhen Risikoaufschlag
- Abkommen zwischen USA und Iran erscheint schwieriger
- Höhere Ölpreise verstärken Inflationssorgen
- Fed könnte Zinsen länger hoch halten
- Gold fällt auf 4.125 Dollar
- Hohe Zinsen verteuern Goldhaltung indirekt
- Fed-Entscheidung rückt in den Mittelpunkt
- Öl und Gold reagieren auf unterschiedliche Faktoren
- Straße von Hormus bleibt zentraler Risikofaktor
Der höhere Ölpreis wirkt sich inzwischen auch auf andere Märkte aus. Vor allem beim Goldpreis macht sich die Entwicklung bemerkbar. Eine Feinunze des Edelmetalls verbilligte sich im Spot-Handel um knapp 0,5 Prozent auf 4.125 Dollar. Anleger fürchten, dass dauerhaft hohe Energiepreise den Inflationsdruck verstärken und die US-Notenbank Federal Reserve deshalb die Zinsen länger auf erhöhtem Niveau halten könnte.

Brent steigt über 111 Dollar je Barrel
Die internationale Referenzsorte Brent hatte den vorherigen Handelstag bei rund 109 Dollar je Barrel beendet.
Am Dienstag setzte sich der Aufwärtstrend fort. Der Preis stieg um bis zu 1,4 Prozent auf 111,05 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit etwa fünf Monaten.
Die wichtigsten Marktdaten:
- Brent-Rohöl: bis zu 111,05 Dollar je Barrel
- vorheriger Schlusskurs: rund 109 Dollar
- Tagesanstieg: bis zu 1,4 Prozent
- höchster Stand seit rund fünf Monaten
- Goldpreis: rund 4.125 Dollar je Feinunze
- Rückgang bei Gold: knapp 0,5 Prozent
Damit stehen sich derzeit zwei gegenläufige Bewegungen gegenüber: steigende Energiepreise und ein schwächerer Goldpreis.
Iran bekräftigt Anspruch auf Straße von Hormus
Zusätzliche Nervosität entstand durch neue Aussagen aus dem Iran.
Der erste iranische Vizepräsident Mohammad Reza Aref betonte erneut den Anspruch seines Landes auf Kontrolle der strategisch wichtigen Straße von Hormus.
Er sagte wörtlich:
„Um unsere Sicherheit zu gewährleisten, haben wir keine andere Wahl, als die Souveränität über die Straße von Hormus auszuüben“
Die Aussage fiel in einem Gespräch mit dem russischen Ministerpräsidenten Michail Mischustin.
Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Transportwegen für Rohöl weltweit. Jede politische oder militärische Zuspitzung in dieser Region kann deshalb unmittelbar zu höheren Risikoaufschlägen beim Ölpreis führen.
Angriffe auf Schifffahrt erhöhen Risikoaufschlag
Neben den Äußerungen aus Teheran belasten anhaltende Angriffe auf die Schifffahrt die Märkte.
Analysten verwiesen auf fortdauernde Zwischenfälle im Umfeld der Meerenge sowie auf neue Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Milizen im Jemen.
Zum Wochenauftakt meldeten die Huthis Angriffe auf Ziele in Saudi-Arabien.
Diese Entwicklung erhöht die Sorge, dass sich der Konflikt ausweiten und wichtige Energietransportrouten beeinträchtigen könnte.
Der höhere Ölpreis enthält deshalb inzwischen einen zusätzlichen geopolitischen Risikoaufschlag.
Abkommen zwischen USA und Iran erscheint schwieriger
Parallel dazu sinken offenbar die Erwartungen an eine kurzfristige politische Einigung zwischen den USA und dem Iran.
Analysten der Deutschen Bank halten ein Abkommen vor den in rund zwei Wochen anstehenden US-Zwischenwahlen zunehmend für schwierig.
Sollte eine Vereinbarung ausbleiben, könnten politische Spannungen und Unsicherheit über die künftige Ölversorgung anhalten.
Für den Rohölmarkt bedeutet dies, dass geopolitische Entwicklungen derzeit stärker in die Preisbildung einfließen.
Höhere Ölpreise verstärken Inflationssorgen
Steigende Energiepreise können sich auf zahlreiche Bereiche der Wirtschaft auswirken.
Rohöl beeinflusst unter anderem:
- Kraftstoffpreise
- Transportkosten
- Produktionskosten
- Logistik
- Energiepreise
- Verbraucherpreise
Bleibt Öl über einen längeren Zeitraum teuer, können Unternehmen einen Teil der höheren Kosten an ihre Kunden weitergeben.
Dadurch steigt das Risiko, dass der Inflationsdruck länger anhält.
Genau diese Sorge wirkt sich derzeit auf die Erwartungen an die amerikanische Geldpolitik aus.
Fed könnte Zinsen länger hoch halten
Anleger rechnen verstärkt damit, dass die Federal Reserve bei anhaltendem Inflationsdruck vorsichtig bleiben könnte.
Höhere Energiepreise erschweren die Aufgabe der Notenbank, die Inflation nachhaltig zu begrenzen.
Sollte sich der Preisauftrieb wieder verstärken, könnte die Fed die Zinsen länger auf einem hohen Niveau belassen.
Für die Finanzmärkte ist diese Aussicht besonders relevant, da die nächste Zinsentscheidung der Federal Reserve bereits in der kommenden Woche ansteht.
Gold fällt auf 4.125 Dollar
Während Öl von den geopolitischen Spannungen profitiert, gerät Gold unter Druck.
Der Spotpreis sank um knapp 0,5 Prozent auf 4.125 Dollar je Feinunze.
Auf den ersten Blick erscheint diese Entwicklung ungewöhnlich, weil Gold häufig als Schutz gegen Inflation angesehen wird.
Entscheidend ist jedoch die Verbindung zwischen Inflation und Zinsen.
Wenn Anleger mit höheren oder länger erhöhten Zinssätzen rechnen, nimmt die Attraktivität von Gold ab.

Hohe Zinsen verteuern Goldhaltung indirekt
Gold wirft weder Zinsen noch Dividenden ab.
Steigen die Renditen anderer Anlagen, insbesondere von Staatsanleihen, erhöhen sich deshalb die sogenannten Opportunitätskosten der Goldhaltung.
Investoren können ihr Kapital dann alternativ in Anlagen investieren, die laufende Erträge bieten.
Das bedeutet:
- höhere Inflation kann grundsätzlich Gold stützen
- höhere Inflation kann aber auch zu höheren Zinsen führen
- steigende Zinsen machen Anleihen attraktiver
- dadurch kann Gold trotz Inflationssorgen unter Druck geraten
Genau dieser Mechanismus ist derzeit am Markt zu beobachten.
Fed-Entscheidung rückt in den Mittelpunkt
Die kommende Zinsentscheidung der Federal Reserve gewinnt vor diesem Hintergrund zusätzlich an Bedeutung.
Marktteilnehmer versuchen einzuschätzen, wie die Notenbank den erneuten Ölpreisanstieg und die daraus resultierenden Inflationsrisiken bewertet.
Analyst Kyle Rodda vom Broker Capital.com erwartet deutliche Reaktionen an den Märkten.
Er sagte:
„Es wird am Markt zu starken Bewegungen kommen, egal was die Fed tut“
Damit wird deutlich, wie hoch die Nervosität vor der Entscheidung ist.
Öl und Gold reagieren auf unterschiedliche Faktoren
Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass geopolitische Spannungen nicht automatisch alle als sicher geltenden Anlageklassen gleichzeitig nach oben treiben.
Öl profitiert unmittelbar von Sorgen um die Versorgung und mögliche Einschränkungen wichtiger Transportwege.
Bei Gold wirken dagegen mehrere Faktoren gegeneinander.
Einerseits könnten Unsicherheit und Inflationssorgen das Edelmetall stützen. Andererseits erhöht die Aussicht auf länger hohe Zinsen den Druck.
Derzeit überwiegt dieser Zinseffekt.
Straße von Hormus bleibt zentraler Risikofaktor
Für den Ölmarkt bleibt die Entwicklung rund um die Straße von Hormus besonders entscheidend.
Sollten sich die Spannungen weiter verschärfen oder die Schifffahrt stärker beeinträchtigt werden, könnte sich der Risikoaufschlag beim Ölpreis weiter erhöhen.
Umgekehrt könnte eine politische Entspannung zu einem Rückgang der Preise führen.
Bis dahin bleibt Brent mit mehr als 111 Dollar je Barrel auf dem höchsten Niveau seit fünf Monaten, während Gold auf rund 4.125 Dollar je Feinunze zurückgefallen ist.