Der Briefversand in Deutschland soll zum Jahreswechsel deutlich teurer werden. Die Deutsche Post plant, das Porto für einen Standardbrief ab 2027 um 20 Cent auf 1,15 Euro anzuheben. Damit würde der Preis erstmals deutlich über der Marke von einem Euro liegen.
- Standardbrief soll 21 Prozent teurer werden
- Maxibrief verteuert sich besonders deutlich
- Bundesnetzagentur muss noch zustimmen
- Sinkende Briefmengen erhöhen Kosten pro Sendung
- Kosten pro Brief steigen bei sinkendem Volumen
- Rund eine Milliarde Euro Investitionen pro Jahr
- Pakete sollen ebenfalls teurer werden
- Politik zeigt Verständnis für die Erhöhung
- Deutschland bleibt im europäischen Vergleich günstiger
- Neue Preise sollen zwei Jahre gelten
Auch andere Briefarten sollen teurer werden. Besonders stark fällt der geplante Aufschlag beim Maxibrief aus. Die neuen Preise sollen für die Jahre 2027 und 2028 gelten. Bevor die Erhöhung wirksam werden kann, muss allerdings noch die Bundesnetzagentur zustimmen.
Standardbrief soll 21 Prozent teurer werden
Für den besonders häufig verschickten Standardbrief plant die Deutsche Post die größte nominale Preiserhöhung, die es bei dieser Versandart bislang gegeben hat.
Der Preis soll von derzeit 95 Cent auf 1,15 Euro steigen. Das entspricht einem Plus von 20 Cent beziehungsweise 21,05 Prozent.
Die wichtigsten geplanten Änderungen im Überblick:
- Standardbrief: von 0,95 Euro auf 1,15 Euro
- Kompaktbrief: plus 15 Cent auf 1,25 Euro
- Großbrief: plus 55 Cent auf 2,35 Euro
- Maxibrief: plus 2,10 Euro auf 5,00 Euro
- Einschreiben: Preis bleibt unverändert
Damit steigen die Kosten je nach Briefart sehr unterschiedlich stark.
Maxibrief verteuert sich besonders deutlich
Am stärksten fällt der absolute Preisanstieg beim Maxibrief aus.
Hier soll das Porto um 2,10 Euro auf 5 Euro steigen. Auch beim Großbrief fällt der geplante Aufschlag mit 55 Cent deutlich aus.
Beim Kompaktbrief bleibt der Anstieg dagegen unter dem durchschnittlichen Rahmen. Er verteuert sich um 15 Cent auf 1,25 Euro. Das entspricht einer Steigerung von 13,64 Prozent.
Der Standardbrief liegt mit 21,05 Prozent leicht über dem durchschnittlich erlaubten Erhöhungsspielraum.
Bundesnetzagentur muss noch zustimmen
Die neuen Preise sind noch nicht endgültig beschlossen.
Für die Umsetzung benötigt die Deutsche Post die Genehmigung der Bundesnetzagentur. Die Behörde hatte zuvor einen sogenannten Preiserhöhungsspielraum festgelegt.
Demnach dürfen die Einnahmen aus dem Briefversand für die Jahre 2027 und 2028 insgesamt um 20,35 Prozent steigen.
Innerhalb dieses Rahmens kann die Post selbst festlegen, welche Produkte stärker und welche schwächer verteuert werden.
Dadurch ist es möglich, dass einzelne Briefarten über dem Durchschnitt liegen, solange die gesamte Preisentwicklung die Vorgaben der Bundesnetzagentur einhält.
Sinkende Briefmengen erhöhen Kosten pro Sendung
Die Deutsche Post begründet die geplanten Preiserhöhungen vor allem mit dem seit Jahren rückläufigen Briefvolumen.
Nikola Hagleitner, im Vorstand des DHL-Konzerns für Post & Paket Deutschland verantwortlich, erklärte:
„Die Briefmengen sinken seit Jahren deutlich, während die Personal-, Energie- und Sachkosten steigen.“
Gleichzeitig müsse die Post weiterhin ein flächendeckendes Netz betreiben.
Dazu gehören unter anderem:
- Briefkästen
- Filialen
- Zustellfahrzeuge
- Sortierzentren
- Personal
- technische Infrastruktur
Diese Kosten fallen unabhängig davon an, ob täglich mehr oder weniger Briefe verschickt werden.
Kosten pro Brief steigen bei sinkendem Volumen
Hagleitner verwies auf genau dieses Problem:
„Wenn immer weniger Briefe über diese Infrastruktur laufen, steigen die Kosten pro Brief zwangsläufig.“
Die Digitalisierung hat den klassischen Briefversand in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Rechnungen, Verträge, Mitteilungen und private Nachrichten werden zunehmend elektronisch verschickt.
Dadurch verteilt sich die vorhandene Infrastruktur auf immer weniger Sendungen.
Für die Post bedeutet dies, dass ein einzelner Brief im Durchschnitt höhere Kosten verursachen kann, selbst wenn sich das Zustellnetz kaum verändert.
Rund eine Milliarde Euro Investitionen pro Jahr
Nach Angaben des Unternehmens investiert die Deutsche Post jährlich rund eine Milliarde Euro in ihr Post- und Paketnetz.
Das Geld fließt unter anderem in:
- Elektrofahrzeuge
- neue Automaten
- technische Infrastruktur
- Modernisierung von Zustellprozessen
- Ausbau des Filial- und Paketnetzes
Die höheren Portopreise sollen damit nicht nur steigende Betriebskosten ausgleichen, sondern auch zukünftige Investitionen ermöglichen.
Pakete sollen ebenfalls teurer werden
Nicht nur Briefe werden von den geplanten Preisänderungen betroffen sein.
Auch Pakete sollen für Privatkunden teurer werden. Konkrete neue Preise hat die Deutsche Post bislang jedoch noch nicht bekannt gegeben.
Darüber hinaus steigen auch die Kosten für Geschäftskunden.
Damit wird die Preisrunde deutlich breiter ausfallen als nur beim klassischen Briefporto.
Politik zeigt Verständnis für die Erhöhung
Aus der Politik kommt bislang grundsätzlich Verständnis für den Schritt.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff verwies darauf, dass die Briefmengen stark zurückgegangen seien.
Er erklärte:
„Wichtig ist, dass wir die qualitativ hochwertige deutschlandweite Versorgung zu moderaten Preisen weiterhin sicherstellen können.“
Roloff verweist zudem auf einen Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Deutschland liege beim Porto weiterhin vergleichsweise günstig.
Deutschland bleibt im europäischen Vergleich günstiger
Auch nach der geplanten Erhöhung würde das Porto in Deutschland unter dem Niveau mehrerer Nachbarländer liegen.
Zum Vergleich:
- Deutschland ab 2027 geplant: 1,15 Euro
- Niederlande: 1,40 Euro
- Frankreich aktuell: 1,52 Euro
- Frankreich ab Jahreswechsel: 1,67 Euro
- Belgien: mindestens 1,58 Euro
Damit bliebe der Standardbrief in Deutschland auch nach der Erhöhung günstiger als in diesen Ländern.
Neue Preise sollen zwei Jahre gelten
Die geplanten Entgelte sollen für 2027 und 2028 gelten.
Damit erhalten Kunden und Unternehmen zunächst für zwei Jahre Planungssicherheit.
Ob es anschließend erneut zu höheren Preisen kommt, hängt unter anderem von der Entwicklung der Briefmengen, der Kosten und den regulatorischen Vorgaben ab.
Die entscheidende Voraussetzung bleibt zunächst die Zustimmung der Bundesnetzagentur. Erst danach kann die Deutsche Post die neuen Preise verbindlich einführen.
Entwicklung des Briefportos in Deutschland seit 1948
Seit den Anfangsjahren der Bundesrepublik hat sich das Porto für einen normalen Inlandsbrief deutlich erhöht. Lange Zeit blieben die Preise über Jahre stabil, seit den 2010er-Jahren wurden die Abstände zwischen den Erhöhungen jedoch wesentlich kürzer. Die folgende Übersicht zeigt wichtige Preisstufen für einen Standardbrief bis 20 Gramm:
- 1948: 20 Pfennig – ab September galt dieser Tarif für einen normalen Inlandsbrief bis 20 Gramm.
- 1949: 20 Pfennig – auch nach Gründung der Bundesrepublik am 23. Mai 1949 blieb der Preis zunächst unverändert.
- 1963: 20 Pfennig – der Standardbrief kostete weiterhin 20 Pfennig.
- 1966: 30 Pfennig – erstmals seit langer Zeit wurde der Tarif deutlich angehoben.
- 1971: 30 Pfennig – der Brief bis 20 Gramm blieb zunächst auf diesem Niveau.
- 1972: 40 Pfennig – schon ein Jahr später folgte die nächste Erhöhung.
- 1974: 50 Pfennig – der Standardbrief verteuerte sich erneut um zehn Pfennig.
- 1979: 60 Pfennig – zum Jahresbeginn stieg das Briefporto auf 60 Pfennig.
- 1982: 80 Pfennig – der Sprung von 60 auf 80 Pfennig bedeutete einen vergleichsweise kräftigen Anstieg.
- 1989: 1,00 D-Mark – erstmals kostete der Standardbrief eine volle Mark.
- 1992: 1,00 D-Mark – der Preis blieb nach der Wiedervereinigung zunächst unverändert.
- 1997: 1,10 D-Mark – die Deutsche Post erhöhte das Standardporto um zehn Pfennig.
- 2002: 56 Cent – mit der Einführung des Euro entsprach das bisherige Porto von 1,10 D-Mark rund 56 Cent.
- 2003: 55 Cent – ungewöhnlicherweise sank der Preis zunächst um einen Cent.
- 2005 bis 2012: 55 Cent – über mehrere Jahre blieb das Standardbriefporto stabil.
- 2013: 58 Cent – nach langer Preisstabilität begann eine Serie häufigerer Erhöhungen.
- 2014: 60 Cent.
- 2015: 62 Cent.
- 2016: 70 Cent – innerhalb eines Jahres stieg das Porto um acht Cent.
- 2019: 80 Cent – im Juli folgte die nächste größere Anpassung.
- 2022: 85 Cent.
- 2025: 95 Cent – seit Januar kostet der Standardbrief bis 20 Gramm 95 Cent.
- 2027 geplant: 1,15 Euro – nach dem aktuellen Vorhaben der Deutschen Post soll das Porto nochmals um 20 Cent steigen; dafür ist noch die Genehmigung der Bundesnetzagentur erforderlich.
Besonders auffällig ist der langfristige Vergleich: Von 20 Pfennig im Jahr 1948 bis zu 95 Cent im Jahr 2025 hat sich der nominale Preis vervielfacht. Mit der geplanten Erhöhung auf 1,15 Euro im Jahr 2027 würde erstmals die Marke von einem Euro deutlich überschritten. Die Vergleichbarkeit über fast acht Jahrzehnte ist allerdings eingeschränkt, weil sich Kaufkraft, Währung, Löhne und postalische Rahmenbedingungen stark verändert haben.