Trumps Niederlage bei US-Zwischenwahlen erhöht Druck

Robert Amrhein

Die Niederlage der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen 2026 verändert die politischen Kräfteverhältnisse in Washington deutlich. Die Demokraten haben die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses zurückgewonnen und können Präsident Donald Trump damit innenpolitisch wesentlich stärker unter Druck setzen.

Außenpolitisch bedeutet das jedoch nicht automatisch einen grundlegenden Kurswechsel. Experten erwarten vielmehr, dass Trump in wichtigen Fragen weiterhin großen Handlungsspielraum behält. Besonders aufmerksam werden die Folgen des Wahlergebnisses deshalb in Israel, Iran, der Ukraine und Europa verfolgt.

Demokraten gewinnen Kontrolle über den Kongress zurück

Für Trump ist das Wahlergebnis ein deutlicher Rückschlag.

Die Republikaner verlieren ihre bisherigen Mehrheiten, während die Demokraten künftig sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat stärkeren Einfluss auf Gesetzgebung, Haushalt und Kontrolle der Regierung ausüben können.

Damit dürfte es für Trump schwieriger werden, zentrale innenpolitische Vorhaben ohne Widerstand durchzusetzen.

In der Außenpolitik ist die Lage jedoch komplizierter. Der Präsident verfügt dort traditionell über weitreichende Kompetenzen, insbesondere bei Diplomatie, Sanktionen und militärischen Entscheidungen.

Iran-Krieg könnte Republikaner Stimmen gekostet haben

Ein wichtiger Faktor der Wahlniederlage könnte die Politik gegenüber dem Iran gewesen sein.

Trump selbst räumte ein, dass der Krieg eine Rolle beim schlechten Abschneiden der Republikaner gespielt haben könnte.

Der Politikstratege Julius van de Laar hält diese Erklärung für plausibel. Trump habe sein Versprechen gebrochen, „keine neuen Kriege zu beginnen“.

Gerade bei Wählern, die Trump wegen seiner früheren Kritik an internationalen Militäreinsätzen unterstützt hatten, könnte dies zu Enttäuschung geführt haben.

Demokraten könnten Iran-Politik stärker kontrollieren

Nach Einschätzung des Nahost-Experten Simon Fuchs könnten die neuen Mehrheitsverhältnisse im Kongress Folgen für den Kurs gegenüber Teheran haben.

Er erwartet, dass die Demokraten der Trump-Regierung im Iran-Konflikt „straffere Zügel anlegen“ könnten.

Damit könnten Entscheidungen zu weiteren militärischen Schritten stärker politisch überprüft werden.

Die Möglichkeit eines vollständigen Kurswechsels ergibt sich daraus allerdings nicht automatisch.

Israel muss mit stärkerem Druck rechnen

Auch für Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu könnte die neue Lage in Washington unangenehmer werden.

Israel ist im Konflikt mit Iran stark auf amerikanische Unterstützung angewiesen.

Nach Einschätzung von Fuchs könnte der demokratisch kontrollierte Kongress künftig kritischer auf das israelische Vorgehen in Gaza und im Westjordanland reagieren.

Er hält es sogar für möglich, dass erstmals ernsthaft über „eventuell gar amerikanische Sanktionen“ gesprochen werden könnte.

Das wäre eine deutliche Veränderung gegenüber der bisherigen Unterstützungspolitik.

Teheran begrüßt die Niederlage der Republikaner

Im Iran wurde das Wahlergebnis dagegen offen positiv aufgenommen.

Der iranische Parlamentspräsident und Chefverhandler Mohammad Ghalibaf erklärte:

„Die Amerikaner haben NEIN ZUM KRIEG gesagt, und wir unterstützen diese Botschaft.“

Gleichzeitig verband er diese Aussage mit einer Warnung an Washington.

Sollten die USA den Willen ihrer eigenen Bevölkerung ignorieren, drohte er mit einem „Albtraum“.

Die iranische Führung wertet das Wahlergebnis damit offenbar als Signal gegen eine weitere militärische Eskalation.

Für die Ukraine ändert sich zunächst wenig

In Kiew dürfte das Ergebnis nach Einschätzung mehrerer Experten kurzfristig keine grundlegende Änderung der amerikanischen Ukraine-Politik auslösen.

Paul Ronzheimer erwartet „keinen großen Unterschied“.

Gleichzeitig besteht die Sorge, dass Trump nach der Niederlage nach Verantwortlichen für politische Rückschläge suchen könnte.

Dabei könnte auch Präsident Wolodymyr Selenskyj stärker in den Fokus geraten.

Ronzheimer hält es für möglich, dass Trump versucht, in Selenskyj „einen Schuldigen“ zu finden.

Sorge vor engerem Kurs gegenüber Putin

Auch Sicherheitsexperte Nico Lange rechnet nicht mit einer schnellen „Korrektur“ der bisherigen amerikanischen Politik.

Er hält es vielmehr für denkbar, dass Trump seine „Geschäfte mit Putin“ weiter intensivieren könnte.

Damit bleibt die Unsicherheit für die Ukraine bestehen.

Ein demokratisch kontrollierter Kongress kann den Präsidenten zwar stärker kontrollieren und politische Initiativen erschweren, die außenpolitische Entscheidungsfreiheit des Weißen Hauses bleibt jedoch beträchtlich.

Wadephul sieht Chancen für mehr Zusammenarbeit

Etwas optimistischer äußert sich Bundesaußenminister Johann Wadephul.

Er sagte:

„Ich bin, was die Ukraine angeht, eher etwas zuversichtlich, dass es im Kongress jetzt wieder mehr Gespräche auch zwischen beiden Parteien geben wird.“

Damit verbindet er mit dem neuen Kräfteverhältnis die Hoffnung auf eine stärkere parteiübergreifende Abstimmung.

Gerade bei der Unterstützung der Ukraine könnte dies dazu beitragen, einzelne Entscheidungen auf eine breitere politische Grundlage zu stellen.

Europa kann sich nicht auf Entspannung verlassen

Auch für Deutschland und die übrigen europäischen Staaten bedeutet die Wahlniederlage Trumps nach Ansicht von Experten keineswegs automatisch eine Entspannung.

Der Sicherheitsexperte Carlo Masala warnte:

„Das muss für uns Europäer nicht unbedingt eine gute Nachricht sein.“

Seiner Einschätzung nach ist Trump außenpolitisch „ja nicht geschwächt“.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Präsident nun kompromissbereiter auftrete, hält Masala für „eher gering“.

Präsident behält großen außenpolitischen Spielraum

Auch USA-Experte Thomas Jäger verweist auf die weitreichenden Befugnisse des Präsidenten.

Trump habe in der Außenpolitik „weitgehend Handlungsfreiheit“.

Zwar könne der Kongress versuchen, Einfluss auf Entscheidungen zu nehmen. Die Möglichkeiten seien jedoch begrenzt.

Jäger betonte:

„Gegen ein Veto des Präsidenten kommt er nicht an.“

Er erwartet deshalb, dass Trump seine politischen Interessen womöglich sogar noch „intensiver durchzusetzen“ versucht.

Berlin muss mit weiterem Druck rechnen

Für die Bundesregierung bedeutet das Ergebnis daher keine Entwarnung.

Auch ein innenpolitisch geschwächter Präsident kann außenpolitisch weiterhin erheblichen Druck auf europäische Partner ausüben.

Das betrifft nicht nur die Ukraine oder Iran, sondern auch Handelsfragen und Zölle.

Peter Beyer, CDU-Außenpolitiker und ehemaliger Transatlantikkoordinator der Bundesregierung, erklärte:

„Trump kann seine Politik gegenüber der Ukraine, Iran, Venezuela, Kuba und auch bei den Zöllen weiterhin maßgeblich selbst bestimmen.“

Seine Schlussfolgerung lautet:

„Keine Entwarnung, sondern weiterhin höchste Wachsamkeit.“

Kongress kann Trump bremsen, aber nicht vollständig stoppen

Die neuen Mehrheiten verändern das politische Umfeld in Washington erheblich.

Die Demokraten können Untersuchungen einleiten, Haushaltsentscheidungen beeinflussen und Gesetzesvorhaben blockieren.

Gerade bei innenpolitischen Projekten wird der Handlungsspielraum des Präsidenten dadurch deutlich kleiner.

Bei außenpolitischen Entscheidungen bleibt seine Macht jedoch wesentlich größer.

Das gilt besonders bei kurzfristigen diplomatischen oder militärischen Maßnahmen.

Wahlergebnis verändert globale Erwartungen

Das Wahlergebnis wird deshalb international sehr unterschiedlich bewertet.

Im Iran überwiegt die Hoffnung auf weniger militärischen Druck.

In Israel steigt die Sorge vor einem kritischeren amerikanischen Kongress.

In der Ukraine herrscht Unsicherheit darüber, ob Trump seinen bisherigen Kurs verändert oder sogar verschärft.

Europa wiederum muss damit rechnen, dass der Präsident trotz innenpolitischer Niederlage weiterhin selbstbewusst auftritt.

Die Zwischenwahlen haben Trumps politische Position geschwächt. Seine außenpolitischen Möglichkeiten bleiben jedoch erheblich.

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