EU erlaubt China-Übernahme von MediaMarkt und Saturn

Robert Amrhein

Die geplante Übernahme des deutschen Elektronikhändlers Ceconomy durch den chinesischen Onlinekonzern JD.com hat eine entscheidende Hürde genommen. Die EU-Kommission hat dem Geschäft zugestimmt. Damit sind nach Angaben von Ceconomy sämtliche Bedingungen für den Vollzug des laufenden öffentlichen Übernahmeangebots erfüllt.

Zu Ceconomy gehören die bekannten Elektronikhandelsketten MediaMarkt und Saturn. Mit der Genehmigung aus Brüssel rückt die Übernahme durch den chinesischen Konzern deutlich näher. Bereits zuvor hatte JD.com der EU-Kommission Zugeständnisse angeboten, um mögliche wettbewerbs- und subventionsrechtliche Bedenken auszuräumen.

EU-Kommission erteilt entscheidende Freigabe

Die Zustimmung aus Brüssel betrifft die europäische Verordnung über mögliche Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Subventionen aus Drittstaaten.

Ceconomy teilte dazu wörtlich mit:

„Ceconomy wurde von JD.com darüber informiert, dass JD.com heute die Freigabe durch die EU-Kommission gemäß der europäischen Verordnung über den Binnenmarkt verzerrende drittstaatliche Subventionen erhalten hat. Damit sind nunmehr alle Vollzugsbedingungen für das laufende öffentliche Übernahmeangebot eingetreten.“

Damit ist eine der wichtigsten regulatorischen Voraussetzungen für das Geschäft erfüllt.

MediaMarkt und Saturn wechseln unter chinesischen Einfluss

Für den deutschen Einzelhandel ist die Transaktion von erheblicher Bedeutung.

Ceconomy ist die Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn und gehört damit zu den bekanntesten Elektronikhändlern Europas.

Mit dem Einstieg von JD.com würde ein großer chinesischer Handels- und Technologiekonzern direkten Einfluss auf einen der wichtigsten europäischen Anbieter für Unterhaltungselektronik erhalten.

Die Transaktion betrifft damit nicht nur Ceconomy selbst, sondern auch ein weit verzweigtes Filial- und Onlinegeschäft.

JD.com erfüllt sämtliche Angebotsbedingungen

Nach der Entscheidung der EU sind laut Ceconomy nun alle Voraussetzungen für das laufende Übernahmeangebot erfüllt.

Damit kann der nächste Schritt der Transaktion vorbereitet werden.

Die regulatorische Genehmigung war von besonderer Bedeutung, weil Übernahmen europäischer Unternehmen durch Investoren aus Drittstaaten inzwischen verstärkt darauf geprüft werden, ob ausländische Subventionen den Wettbewerb innerhalb des Binnenmarktes verzerren könnten.

JD.com musste daher nicht nur klassische wettbewerbsrechtliche Anforderungen erfüllen.

Zugeständnisse bereits Ende August angeboten

Um die Zustimmung der Europäischen Union zu erhalten, hatte JD.com Ende August Zugeständnisse bei der EU-Kommission eingereicht.

Welche konkreten Verpflichtungen daraus für den chinesischen Konzern entstehen, wird im vorliegenden Material nicht näher erläutert.

Klar ist jedoch, dass diese Zusagen eine wichtige Rolle im Genehmigungsverfahren spielten.

Mit der nun erteilten Freigabe betrachtet die EU die entsprechenden Voraussetzungen als erfüllt.

Übernahme soll noch 2026 abgeschlossen werden

Der Abschluss des Geschäfts wurde nach früheren Angaben von Ceconomy noch für das zweite Halbjahr 2026 erwartet.

Mit der EU-Genehmigung ist nun eine wesentliche Unsicherheit beseitigt.

Damit kann die Übernahme grundsätzlich vollzogen werden, sofern die übrigen organisatorischen und rechtlichen Schritte abgeschlossen werden.

Für Ceconomy beginnt damit eine Phase, in der die künftige Eigentümerstruktur neu geordnet wird.

Börsenrückzug Anfang 2027 möglich

Auch ein Rückzug von Ceconomy von der Börse ist bereits im Gespräch.

Ceconomy-Chef Remko Rijnders hatte im Sommer erklärt, dass mit einem Delisting Anfang 2027 gerechnet werden könne.

Ein solcher Schritt würde bedeuten, dass die Ceconomy-Aktie künftig nicht mehr regulär an der Börse gehandelt wird.

Das wäre eine tiefgreifende Veränderung für die bisherigen Anteilseigner und würde die öffentliche Börsengeschichte des Unternehmens vorerst beenden.

JD.com zählt zu Chinas großen Handelskonzernen

JD.com gehört zu den bedeutenden chinesischen Onlinehändlern und konkurriert in seinem Heimatmarkt mit anderen großen Plattformunternehmen.

Mit der Übernahme von Ceconomy würde der Konzern seine Präsenz in Europa erheblich ausbauen.

MediaMarkt und Saturn verfügen dort über eine hohe Markenbekanntheit, stationäre Verkaufsflächen und etablierte Onlineangebote.

Für JD.com entsteht dadurch die Möglichkeit, seine Handels- und Logistikkompetenz mit einem bestehenden europäischen Vertriebsnetz zu verbinden.

Übernahme verändert Europas Elektronikhandel

Die Transaktion könnte damit weit über einen Eigentümerwechsel hinausgehen.

Für MediaMarkt und Saturn eröffnen sich unter einem finanzstarken internationalen Eigentümer neue Möglichkeiten bei Digitalisierung, Logistik und Onlinehandel.

Gleichzeitig dürfte genau beobachtet werden, wie stark JD.com künftig in operative Entscheidungen eingreift.

Für Verbraucher werden vor allem mögliche Veränderungen bei Sortiment, Preisen, Lieferstrukturen und Onlineangeboten interessant sein.

Regulierung ausländischer Investoren gewinnt an Bedeutung

Dass die EU-Kommission die Übernahme auch unter dem Gesichtspunkt ausländischer Subventionen geprüft hat, zeigt die wachsende Bedeutung dieser Regeln.

Die Europäische Union will verhindern, dass Unternehmen aus Drittstaaten durch staatliche Unterstützung einen unfairen Vorteil beim Kauf europäischer Firmen erhalten.

Gerade bei großen Übernahmen wird daher zunehmend geprüft, wie ein Käufer finanziert ist und ob staatliche Hilfen die Wettbewerbsbedingungen beeinflussen könnten.

Im Fall von JD.com führte diese Prüfung letztlich nicht zu einem Verbot.

Ceconomy steht vor grundlegender Neuordnung

Mit der Genehmigung der EU ist die Übernahme deutlich näher gerückt.

Für Ceconomy bedeutet dies voraussichtlich einen tiefen Wandel der Eigentümerstruktur.

Sollte die Transaktion wie geplant abgeschlossen werden und anschließend ein Börsenrückzug erfolgen, würde sich das Unternehmen innerhalb weniger Monate grundlegend verändern.

Aus einem börsennotierten deutschen Handelskonzern könnte damit ein Unternehmen unter maßgeblichem Einfluss des chinesischen JD.com-Konzerns werden.

Für MediaMarkt und Saturn beginnt damit eine neue Phase, in der strategische Entscheidungen zunehmend vom künftigen Eigentümer geprägt werden dürften.

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