Schaeffler streicht 2660 Stellen in Deutschland

Robert Amrhein

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler verschärft seinen Sparkurs deutlich. In Europa sollen weitere 3.460 Arbeitsplätze wegfallen, davon 2.660 in Deutschland. Zusätzlich plant der Konzern die Schließung mehrerer Standorte und weitere Einschnitte in Produktion, Entwicklung und Verwaltung.

Besonders stark betroffen sind deutsche Werke. Insgesamt sollen vier Standorte in Deutschland geschlossen werden. Hinzu kommen Kapazitätskürzungen und strukturelle Veränderungen an weiteren Niederlassungen. Als Gründe nennt das Unternehmen vor allem die anhaltende Schwäche der europäischen Autoindustrie, hohe Kosten und Überkapazitäten.

Vier deutsche Standorte stehen vor dem Aus

Zu den geplanten Schließungen gehört das Werk in Dortmund mit derzeit rund 430 Beschäftigten.

Auch der Standort Morbach mit etwa 160 Mitarbeitern soll aufgegeben werden.

In Berlin sollen die Aktivitäten ebenfalls beendet werden. Dort arbeiten aktuell ungefähr 270 Menschen.

Auch Schwalbach steht auf der Schließungsliste. Ein großer Teil der dort etwa 385 Beschäftigten soll künftig am Schaeffler-Standort in Frankfurt arbeiten. Insgesamt sind in diesem Zusammenhang rund 190 Stellen vom Abbau betroffen.

Damit konzentriert Schaeffler seine Aktivitäten zunehmend auf weniger Standorte.

Weitere Werke müssen mit Einschnitten rechnen

Die angekündigten Maßnahmen beschränken sich nicht auf vollständige Standortschließungen.

Auch an mehreren weiteren deutschen Standorten sind Veränderungen vorgesehen.

Betroffen sind unter anderem:

  • Herzogenaurach
  • Bühl
  • Höchstadt
  • Nürnberg
  • Regensburg
  • Erlangen
  • Schweinfurt

In Höchstadt soll der Werkzeugbau eingestellt werden.

Im Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt sind ebenfalls Anpassungen geplant.

Zusätzlich will der Konzern Produktionskapazitäten reduzieren und organisatorische Strukturen vereinfachen.

Produktion trägt die Hälfte des Stellenabbaus

Der Personalabbau verteilt sich auf mehrere Unternehmensbereiche.

Rund 50 Prozent der wegfallenden Stellen entfallen auf die Produktion.

Weitere 30 Prozent betreffen Forschung und Entwicklung.

Die restlichen 20 Prozent sollen in anderen Funktionsbereichen eingespart werden.

Insgesamt sind 16 europäische Standorte von dem neuen Programm betroffen.

Damit trifft die Restrukturierung nicht nur klassische Fertigungsbereiche, sondern auch Entwicklungsabteilungen und Verwaltung.

Schaeffler will ab 2030 jährlich 300 Millionen sparen

Mit dem neuen Programm will Schaeffler seine Kosten dauerhaft senken.

Ab 2030 soll sich das jährliche Ergebnis durch die Maßnahmen um rund 300 Millionen Euro verbessern.

Dem stehen zunächst hohe einmalige Belastungen gegenüber.

Konzernchef Klaus Rosenfeld kalkuliert für die Umsetzung des Programms mit einmaligen Kosten von ungefähr 480 Millionen Euro.

Die Maßnahmen sollen Überkapazitäten abbauen, Entwicklungskapazitäten anpassen und die Personalkosten senken.

Zusätzlich will Schaeffler die Organisation vereinfachen.

Umsatz sinkt auf 17,5 Milliarden Euro

Auch die aktuellen Geschäftszahlen zeigen, warum der Konzern unter Druck steht.

In den ersten neun Monaten des Jahres sank der Umsatz leicht auf 17,5 Milliarden Euro.

Unter dem Strich erzielte Schaeffler einen Nettogewinn von lediglich 11 Millionen Euro.

Damit blieb der Konzern zwar knapp in der Gewinnzone, die Profitabilität ist jedoch ausgesprochen niedrig.

Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum hatte Schaeffler noch einen Nettoverlust von 244 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Rückkehr in die schwarzen Zahlen reicht damit offenbar nicht aus, um auf weitere Einsparungen zu verzichten.

Belegschaft soll auf einen Teil des Gehalts verzichten

Neben Stellenabbau und Standortschließungen ist ein weiterer Schritt vorgesehen.

Auch die verbleibenden Beschäftigten sollen zeitweise einen finanziellen Beitrag leisten.

Schaeffler spricht dabei von einem „Solidaritätsbeitrag“.

Geplant ist ein vorübergehender Gehaltsverzicht, der beim Vorstand beginnen soll.

Die genauen Bedingungen sind noch nicht ausgehandelt.

Nach Angaben des Unternehmens wäre der Personalabbau ohne diesen Beitrag noch größer ausgefallen.

Frühere Abbauprogramme laufen bereits

Der neue Sparkurs kommt zusätzlich zu bereits beschlossenen Personalmaßnahmen.

Schaeffler hatte Anfang 2024 den Konkurrenten Vitesco übernommen.

Dadurch stieg die weltweite Mitarbeiterzahl zunächst von etwas mehr als 83.000 auf rund 115.000 Beschäftigte bis Ende 2024.

Noch im selben Jahr kündigte der Konzern jedoch an, bis 2029 zunächst 4.700 Stellen auf freiwilliger Basis abzubauen.

Wenige Wochen vor dem aktuellen Programm folgte außerdem ein Altersteilzeitmodell, über das weitere 1.800 Arbeitsplätze wegfallen sollen.

Deutsche Belegschaft könnte um fast ein Fünftel schrumpfen

Ende September beschäftigte Schaeffler in Deutschland noch 31.957 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Werden die bereits angekündigten Programme vollständig umgesetzt, würde die deutsche Belegschaft nach den vorliegenden Zahlen um etwa 18 Prozent kleiner.

Das entspricht nahezu jedem fünften Arbeitsplatz.

Damit erhält Deutschland innerhalb der weltweiten Restrukturierung eine besonders große Bedeutung.

Betriebsrat kritisiert den Sparkurs scharf

Die Arbeitnehmervertretung reagierte mit deutlicher Kritik.

Uli Schoepplein, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats, erklärte:

„Wer immer neue Abbauprogramme auflegt, Standorte schließt und die Personalkosten senken will, stärkt den Standort Deutschland nicht, sondern schwächt ihn.“

Auch die Häufigkeit neuer Sparprogramme sorgt für Unmut.

Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter folgt derzeit eine Restrukturierung auf die nächste, bevor die Folgen der vorherigen Maßnahmen vollständig verarbeitet sind.

IG Metall fordert konkretes Zukunftskonzept

Auch die IG Metall verlangt vom Vorstand eine klarere Perspektive für die deutschen Werke.

Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der Gewerkschaft für Schaeffler, sagte:

„Bei Schaeffler folgt inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt sind.“

Er ergänzte:

„Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland.“

Die Gewerkschaft kritisiert insbesondere, dass zwar detaillierte Sparpläne vorliegen, aber aus ihrer Sicht nicht ausreichend klar ist, welche Produkte künftig in Deutschland entwickelt und produziert werden sollen.

Gewerkschaft verlangt Investitionszusagen

Höhn formulierte die Kritik noch konkreter:

„Schaeffler hat heute seine Vorstellungen präsentiert: ein detailliertes Abbaukonzept für Deutschland und zugleich eine globale Wachstumsstrategie für den Konzern.“

Entscheidend sei die Verbindung zwischen beiden Bereichen.

Er sagte weiter:

„Was fehlt, ist die Verbindung zwischen beidem: eine konkrete Antwort darauf, welche Produkte und Technologien künftig in Deutschland entwickelt und gefertigt werden, wo investiert wird und wie viel Beschäftigung Schaeffler hier bis 2030 sichern will.“

Damit fordert die Arbeitnehmerseite neben Sparmaßnahmen auch klare Zusagen für zukünftige Investitionen.

Klassisches Autogeschäft verliert an Bedeutung

Schaeffler ist in vier großen Geschäftsbereichen aktiv.

Der größte Bereich umfasst Komponenten für Motoren, Getriebe und Fahrwerke.

Dazu gehören sowohl Produkte für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor als auch für Elektroautos.

Gerade in diesem Bereich gehen die Umsätze zurück.

Deshalb entfällt ein großer Teil des geplanten Personalabbaus auf diese Sparte.

Besser entwickeln sich derzeit die anderen drei Geschäftsbereiche:

  • Komponenten für Elektrofahrzeuge
  • Ersatzteile
  • Wälzlager und Industrieprodukte

Dort konnten die Umsätze teilweise zulegen.

Schwache Autoindustrie trifft Zulieferer besonders früh

Schaeffler hängt stark von der Nachfrage großer Automobilhersteller ab.

Wenn Unternehmen wie Volkswagen oder BMW ihre Produktion reduzieren oder Sparprogramme auflegen, bekommen Zulieferer die Auswirkungen meist besonders schnell zu spüren.

Die derzeit schwache Lage der europäischen Autoindustrie erhöht deshalb den Kostendruck auf Hersteller von Komponenten.

Schaeffler versucht nun, seine Strukturen an eine langfristig niedrigere Nachfrage in bestimmten Bereichen anzupassen.

Konkurrenz aus China verschärft den Preiskampf

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Aufstieg chinesischer Autohersteller.

Noch 2015 spielten chinesische Unternehmen im internationalen Autohandel eine deutlich kleinere Rolle.

Bis 2025 stiegen die Fahrzeugexporte chinesischer Hersteller jedoch auf rund acht Millionen Autos.

Ein bedeutender Teil dieser Expansion richtet sich auf Europa.

Deutsche Hersteller verloren zunächst vor allem in China Marktanteile, weil chinesische Käufer zunehmend Fahrzeuge heimischer Marken bevorzugen.

Inzwischen geraten deutsche Autobauer auch auf anderen Märkten stärker unter Druck.

Chinesische Hersteller erhöhen Wettbewerbsdruck

Vor allem bei Elektrofahrzeugen treten chinesische Hersteller mit niedrigen Preisen und schnell wachsenden Modellpaletten auf.

Das zwingt europäische Autokonzerne zu zusätzlichen Einsparungen.

Diese Entwicklung trifft Zulieferer wie Schaeffler unmittelbar.

Wenn Fahrzeughersteller günstigere Komponenten verlangen, Produktionen reduzieren oder Plattformen vereinheitlichen, sinken auch die Margen der Zulieferindustrie.

Der Konzern reagiert darauf nun mit einem erheblichen Umbau seiner europäischen Strukturen.

Deutschland bleibt Zentrum der Sparmaßnahmen

Mit 2.660 von insgesamt 3.460 geplanten Stellenstreichungen entfällt mehr als drei Viertel des europäischen Personalabbaus auf Deutschland.

Hinzu kommen vier geplante Standortschließungen sowie weitere Einschnitte an zahlreichen Werken.

Das neue Programm baut auf früheren Maßnahmen auf und soll Schaeffler ab 2030 jährlich 300 Millionen Euro zusätzliche Ergebnisverbesserungen bringen.

Gleichzeitig wächst innerhalb der Belegschaft der Druck auf den Vorstand, neben Einsparungen auch eine langfristige industrielle Perspektive für die deutschen Standorte vorzulegen.

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