Mehrere Bombendrohungen gegen Passagierflugzeuge haben am Dienstag umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen an europäischen Flughäfen ausgelöst. Insgesamt waren sechs Flüge betroffen. Maschinen mussten umgeleitet, nach der Landung isoliert und von Spezialkräften durchsucht werden. Am Flughafen Warschau-Modlin wurde der gesamte Flugbetrieb zeitweise eingestellt.
Betroffen waren Verbindungen nach Polen, Spanien, Italien und Bulgarien. Unter den involvierten Fluggesellschaften befinden sich LOT, SAS und Ryanair. Bei den bislang abgeschlossenen Untersuchungen wurden keine Sprengsätze gefunden. Bereits am Montag hatte eine ähnliche Drohung einen Flug von Wizz Air zu einer außerplanmäßigen Landung gezwungen.
LOT-Maschine mit 181 Menschen nach Modlin umgeleitet
Einer der schwerwiegendsten Zwischenfälle ereignete sich am frühen Morgen auf einem Flug von London nach Warschau.
An Bord der Maschine befanden sich insgesamt 181 Menschen. Ursprüngliches Ziel war der Warschauer Chopin-Flughafen.
Während des Fluges ging jedoch eine Meldung ein, wonach sich eine Bombe an Bord befinden könnte.
Daraufhin wurde die Boeing 737 Max der polnischen Fluggesellschaft LOT nicht zum vorgesehenen Zielflughafen geführt, sondern zum kleineren Airport Warschau-Modlin umgeleitet.
Nach der sicheren Landung wurde das Flugzeug auf eine abgelegene Position gebracht. Dort konnten Spezialisten die Maschine untersuchen, ohne andere Bereiche des Flughafens unnötig zu gefährden.
Warschau-Modlin stellt Flugbetrieb zeitweise ein
Die Sicherheitsmaßnahmen hatten erhebliche Auswirkungen auf den Flughafenbetrieb.
Warschau-Modlin wurde vorübergehend geschlossen. Der Airport wird insbesondere von Billigfluggesellschaften genutzt und liegt außerhalb des Zentrums der polnischen Hauptstadt.
Während die Untersuchungen liefen, waren Starts und Landungen nur eingeschränkt beziehungsweise zeitweise überhaupt nicht möglich.
Am Mittag konnte der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden. Einige Bereiche des Flughafens blieben jedoch zunächst weiterhin gesperrt.
Zweite Drohung erreicht SAS-Flug aus Kopenhagen
Nur wenige Stunden später wurde ein weiterer Flug mit Ziel Warschau von einer Bombendrohung betroffen.
Dabei handelte es sich um eine Maschine der skandinavischen Fluggesellschaft SAS, die von Kopenhagen nach Warschau unterwegs war.
Anders als der LOT-Flug konnte das Flugzeug am Chopin-Flughafen landen.
Nach der Ankunft wurde die Maschine einer Sicherheitskontrolle unterzogen.
Der reguläre Betrieb am wichtigsten Flughafen der polnischen Hauptstadt konnte währenddessen fortgeführt werden.
Ryanair-Flug muss in Murcia landen
Auch in Spanien löste eine Bombendrohung einen Sicherheitseinsatz aus.
Eine Maschine der Fluggesellschaft Ryanair, die aus Manchester gekommen war, landete wegen der Drohung auf dem Flughafen Murcia im Südosten Spaniens.
Auch dort wurden entsprechende Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet.
Damit beschränkte sich die Serie von Drohungen nicht auf einzelne Flughäfen oder eine bestimmte Fluggesellschaft.
Bombendrohung per E-Mail gegen Flug nach Sofia
Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich in Bulgarien.
Ein aus Israel kommendes Flugzeug musste unter besonderen Sicherheitsbedingungen am Flughafen Sofia landen.
Zuvor war eine Bombendrohung per E-Mail eingegangen.
Nach der Landung übernahmen Antiterror-Einheiten die Kontrolle und untersuchten die Maschine.
Die Beteiligung spezialisierter Einsatzkräfte verdeutlicht, dass Bombendrohungen gegen Flugzeuge grundsätzlich als ernsthafte Sicherheitslage behandelt werden müssen, unabhängig davon, ob sich der Verdacht später bestätigt.
Zwei Ryanair-Flüge in Rom betroffen
Auch der Flughafen Rom-Fiumicino war von der Serie betroffen.
Dort landeten zwei Maschinen von Ryanair, gegen die ebenfalls Drohungen ausgesprochen worden waren.
Eine der Verbindungen kam aus Lissabon, die andere aus Dublin.
Besonders umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen gab es beim Flug aus der irischen Hauptstadt.
Die Maschine wurde bis zur Landung von Flugzeugen der italienischen Luftwaffe begleitet.
Nach der Ankunft erfolgten intensive Kontrollen der betroffenen Flugzeuge.
Keine Bomben in den Maschinen gefunden
Bei den Überprüfungen in Italien wurden schließlich keine Sprengsätze entdeckt.
Damit bestätigten sich die Drohungen bei diesen Flügen nicht.
Auch aus den anderen betroffenen Ländern gab es zunächst keine Hinweise darauf, dass tatsächlich explosive Gegenstände an Bord der Maschinen gefunden worden wären.
Die Sicherheitsbehörden müssen dennoch jede entsprechende Meldung überprüfen, da bereits eine einzelne glaubhafte Drohung erhebliche Risiken für Passagiere und Besatzungen darstellen kann.
Sechs Flüge innerhalb kurzer Zeit betroffen
Die Zahl der nahezu zeitgleichen Vorfälle fällt besonders auf.
Innerhalb kurzer Zeit wurden Drohungen gegen insgesamt sechs Flugverbindungen bekannt.
Betroffen waren:
- ein LOT-Flug von London nach Warschau
- ein SAS-Flug von Kopenhagen nach Warschau
- ein Ryanair-Flug aus Manchester nach Murcia
- ein Flug aus Israel nach Sofia
- ein Ryanair-Flug aus Lissabon nach Rom
- ein Ryanair-Flug aus Dublin nach Rom
Damit erstreckten sich die Sicherheitsmaßnahmen über mehrere Regionen Europas.
Behörden müssen Zusammenhang der Drohungen klären
Ob die einzelnen Bombendrohungen miteinander verbunden sind, geht aus den bislang vorliegenden Informationen nicht hervor.
Auch zur Identität möglicher Verantwortlicher liegen keine gesicherten Angaben vor.
Die zeitliche Nähe der Vorfälle dürfte jedoch für die Ermittlungsbehörden von besonderem Interesse sein.
Dabei muss unter anderem geprüft werden, über welche Kommunikationswege die Drohungen eingingen und ob sich bei Formulierungen, Absendern oder technischen Spuren Gemeinsamkeiten feststellen lassen.
Bereits am Vortag musste Wizz-Air-Flug umkehren
Die aktuellen Vorfälle kommen nur einen Tag nach einem weiteren Sicherheitseinsatz im europäischen Luftverkehr.
Am Montag war eine Maschine der ungarischen Fluggesellschaft Wizz Air auf dem Weg von London nach Sofia.
Auch gegen diesen Flug wurde eine Bombendrohung ausgesprochen.
Das Flugzeug setzte seine Reise daraufhin nicht wie geplant bis zur bulgarischen Hauptstadt fort, sondern wurde nach Budapest umgeleitet.
Damit gab es innerhalb von nur zwei Tagen eine ungewöhnlich große Zahl vergleichbarer Zwischenfälle.
Bombendrohungen haben weitreichende Folgen
Selbst wenn sich eine Drohung später als falsch herausstellt, können die Auswirkungen erheblich sein.
Bei einem Verdachtsfall müssen Fluggesellschaften und Behörden unter anderem entscheiden, ob eine Maschine:
- umgeleitet werden muss,
- von Militärflugzeugen begleitet wird,
- auf einer Außenposition landet,
- vollständig durchsucht werden muss,
- Passagiere evakuiert werden müssen,
- oder ein Flughafen zeitweise geschlossen werden sollte.
Dadurch können nicht nur die unmittelbar betroffenen Flüge verspätet werden. Auch nachfolgende Verbindungen können ausfallen oder mit erheblicher Verzögerung starten.
Sicherheitsmaßnahmen treffen Tausende Reisende
Eine zeitweise Flughafenschließung wirkt sich schnell auf zahlreiche weitere Passagiere aus.
Flugzeuge können ihre vorgesehenen Ziele nicht erreichen, Abflüge werden verschoben und Maschinen müssen gegebenenfalls auf andere Flughäfen ausweichen.
Auch Crew-Einsatzpläne und Anschlussverbindungen können dadurch durcheinandergeraten.
Bei der aktuellen Serie war insbesondere die vorübergehende Schließung von Warschau-Modlin relevant. Der Betrieb lief dort erst gegen Mittag wieder an.
Luftverkehr in mehreren Ländern gleichzeitig betroffen
Die Vorfälle zeigen, wie eine Reihe von Sicherheitsdrohungen innerhalb weniger Stunden den internationalen Flugverkehr in mehreren Staaten beeinträchtigen kann.
Innerhalb eines Tages waren Flughäfen beziehungsweise Flugverbindungen in Polen, Spanien, Italien und Bulgarien betroffen. Hinzu kam der Wizz-Air-Zwischenfall des Vortages in Ungarn.
Ob hinter den Drohungen eine koordinierte Aktion steht oder es sich um voneinander unabhängige Vorfälle handelt, ist bislang offen.
Die bisherigen Kontrollen ergaben zumindest bei den bereits untersuchten Maschinen keine Hinweise auf tatsächlich vorhandene Bomben.