Spritpreise 2027: Preisdeckel soll Autofahrer entlasten

Robert Amrhein

Für Autofahrer in Deutschland könnte sich zum 1. Januar 2027 einiges ändern. Die Bundesregierung arbeitet an einem neuen Instrument gegen außergewöhnlich hohe Benzin- und Dieselpreise. Geplant ist ein zeitlich begrenzter Spritpreisdeckel, der extreme Preissteigerungen an den Tankstellen begrenzen soll. Gleichzeitig läuft zum Jahresende eine derzeit geltende Steuerentlastung von rund 17 Cent je Liter aus.

Hinzu kommt eine wichtige Entscheidung beim CO₂-Preis: Dieser soll 2027 nicht weiter angehoben werden, sondern wie bereits 2026 innerhalb einer Spanne von 55 bis 65 Euro je Tonne CO₂ bleiben. Damit treffen zum Jahreswechsel mehrere Maßnahmen aufeinander, die darüber entscheiden können, wie teuer Benzin und Diesel im kommenden Jahr tatsächlich werden.

Steuerentlastung endet am 31. Dezember

Seit dem 1. Oktober 2026 gelten für Benzin und Diesel niedrigere Energiesteuersätze. Die Steuer wurde um 14 Cent je Liter reduziert. Einschließlich des dadurch ebenfalls geringeren Mehrwertsteueranteils ergibt sich für Autofahrer eine Entlastung von insgesamt rund 17 Cent je Liter.

Diese Regelung ist jedoch ausdrücklich befristet.

Sie läuft am 31. Dezember 2026 aus.

Damit entfällt zum Jahreswechsel eine Maßnahme, die während der außergewöhnlich hohen Kraftstoffpreise eingeführt worden war.

Sollte die Steuerentlastung vollständig in den Tankstellenpreisen enthalten sein und sollten alle anderen Preisfaktoren unverändert bleiben, könnte das Ende der Maßnahme rechnerisch wieder einen deutlichen Aufwärtsdruck auf die Literpreise ausüben.

Wie stark die tatsächliche Veränderung ausfällt, hängt allerdings zusätzlich von Rohölpreisen, Raffineriekosten, Wechselkursen und Wettbewerb an den Tankstellen ab.

Preisdeckel soll ab Januar 2027 möglich werden

Als Nachfolgeregelung arbeitet die Bundesregierung an einem Spritpreisdeckel.

Das politische Ziel wurde bereits klar formuliert. Die Bundesregierung will:

„spätestens zum 1. Januar 2027 einen vorübergehenden Spritpreisdeckel nach dem Vorbild Luxemburgs oder Belgiens einzuführen.“

Allerdings bedeutet das nicht, dass Benzin ab Januar automatisch nur noch einen bestimmten Höchstbetrag wie beispielsweise 1,80 Euro je Liter kosten darf.

Nach dem derzeitigen Entwurf soll zunächst lediglich die gesetzliche Möglichkeit geschaffen werden, einen Höchstpreis einzuführen.

Der Mechanismus würde erst unter bestimmten Bedingungen aktiviert.

Keine feste Preisgrenze für Benzin und Diesel

Die bisherigen Pläne sehen keine dauerhaft festgeschriebene Obergrenze vor.

Stattdessen soll geprüft werden, ob sich die Kraftstoffpreise in Deutschland ungewöhnlich stark von der Entwicklung in anderen EU-Staaten entfernen.

Nach dem aktuellen Entwurf könnte die Bundesregierung eingreifen, wenn Benzin oder Diesel in Deutschland drei Wochen hintereinander um mehr als fünf Prozentpunkte stärker steigen als im Durchschnitt der übrigen Europäischen Union.

Erst dann könnte eine Preisobergrenze aktiviert werden.

Für Benzin und Diesel sollen jeweils getrennte Höchstpreise festgelegt werden können.

Damit würde der Staat nicht grundsätzlich bestimmen, was ein Liter Kraftstoff kosten darf. Eingriffe wären vielmehr für außergewöhnliche Preisentwicklungen vorgesehen.

Gesetz soll zunächst nur kurze Zeit gelten

Auch die zeitliche Begrenzung ist bemerkenswert.

Nach dem derzeitigen Entwurf soll die gesetzliche Grundlage für den Preisdeckel zunächst nur für drei Monate gelten.

Das bedeutet auch: Der Mechanismus könnte theoretisch überhaupt nicht aktiviert werden, wenn die Kraftstoffpreise in Deutschland innerhalb dieses Zeitraums nicht deutlich stärker steigen als in anderen EU-Staaten.

Die Bundesregierung verfolgt damit offenbar das Ziel, extreme Ausschläge zu begrenzen, ohne den Kraftstoffmarkt dauerhaft durch einen festen staatlichen Preis zu ersetzen.

Regierung will Preisaufschläge begrenzen

Neben der Entlastung der Autofahrer spielt auch das Verhalten der Mineralölwirtschaft eine Rolle.

Die Bundesregierung erklärte dazu:

„Die Versorgungssicherheit muss gewährleistet sein. Missbräuchliche Preisaufschläge müssen unterbunden werden.“

Damit sollen zwei Ziele miteinander verbunden werden.

Einerseits sollen starke Preissteigerungen gebremst werden. Andererseits darf eine staatliche Begrenzung nicht dazu führen, dass Kraftstoffanbieter bestimmte Regionen nicht mehr ausreichend beliefern.

Genau dieser Punkt macht die konkrete Ausgestaltung kompliziert.

CO₂-Preis steigt 2027 nicht weiter

Eine weitere wichtige Nachricht für Autofahrer betrifft die nationale CO₂-Bepreisung.

Der Bundestag hat am 15. Oktober 2026 eine Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes beschlossen.

Dadurch soll der Preis für eine Tonne ausgestoßenes CO₂ auch 2027 zwischen 55 und 65 Euro liegen.

Die Spanne entspricht dem Niveau von 2026.

Damit entfällt zunächst ein zusätzlicher Preisschub durch eine weitere planmäßige Anhebung des nationalen CO₂-Preises.

Betroffen sind neben Benzin und Diesel auch Heizöl und Erdgas.

Neuer EU-Emissionshandel startet erst 2028

Hintergrund der Änderung ist die Verschiebung des europäischen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr.

Das neue System EU-ETS 2 soll nun erst 2028 beginnen.

Ursprünglich hätte Deutschland 2027 in eine stärkere marktbasierte Preisbildung übergehen müssen.

Für das Übergangsjahr wurde deshalb entschieden, den nationalen Preis noch einmal innerhalb des bestehenden Korridors von 55 bis 65 Euro zu halten.

Für Autofahrer bedeutet das zumindest bei diesem Kostenbestandteil mehr Planungssicherheit.

Drei Faktoren bestimmen die Spritpreise 2027

Für die tatsächlichen Preise an deutschen Tankstellen werden zu Beginn des kommenden Jahres vor allem drei politische Faktoren entscheidend sein:

  • Ende der Steuerentlastung von rund 17 Cent je Liter
  • CO₂-Preis weiterhin bei 55 bis 65 Euro je Tonne
  • möglicher neuer Spritpreisdeckel

Diese Maßnahmen wirken allerdings in unterschiedliche Richtungen.

Während das Auslaufen der Steuervergünstigung die Preise grundsätzlich erhöhen kann, soll der stabile CO₂-Preis einen zusätzlichen Belastungsschritt verhindern.

Der geplante Preisdeckel wiederum soll außergewöhnliche Preisspitzen abfangen.

Ölpreis bleibt entscheidend für Autofahrer

Trotz aller staatlichen Maßnahmen bleibt der internationale Rohölmarkt einer der wichtigsten Faktoren für den Tankstellenpreis.

Steigt Rohöl stark, beispielsweise aufgrund geopolitischer Konflikte oder eingeschränkter Lieferungen, kann sich dies auch in Deutschland bemerkbar machen.

Fallen die Ölpreise dagegen, können Benzin und Diesel trotz höherer Steuerbelastung günstiger werden.

Auch der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar spielt eine Rolle, da Rohöl international überwiegend in Dollar gehandelt wird.

Deshalb lässt sich bereits jetzt kein verlässlicher Literpreis für das Jahr 2027 nennen.

ADAC warnt vor zu hohen Erwartungen

Autofahrer sollten vom geplanten Preisdeckel keine automatische massive Preissenkung erwarten.

Noch fehlen wesentliche Details zur Berechnung der möglichen Obergrenzen.

Auch ein dauerhaft garantierter Niedrigpreis ist nicht vorgesehen.

Der Mechanismus ist vielmehr als Schutz vor außergewöhnlichen Preissprüngen gedacht.

Damit könnte der Staat beispielsweise reagieren, wenn sich deutsche Kraftstoffpreise deutlich stärker verteuern als in den Nachbarländern, obwohl die internationale Marktentwicklung eine solche Differenz nicht erklärt.

Start zum Jahreswechsel noch nicht vollständig gesichert

Ob der Preisdeckel tatsächlich bereits am 1. Januar 2027 vollständig einsatzbereit sein wird, ist noch nicht endgültig geklärt.

Die politische Zielsetzung nennt zwar diesen Termin, die konkrete gesetzliche Ausgestaltung befindet sich jedoch weiterhin im Verfahren.

Der aktuelle Entwurf aus dem Wirtschaftsministerium beschreibt bereits Bedingungen für einen möglichen Eingriff, muss aber noch politisch abgestimmt werden.

Damit steht fest, dass sich die Regeln für Kraftstoffpreise 2027 verändern sollen. Die endgültige Form des Preisdeckels ist jedoch noch offen.

Autofahrer stehen vor einem besonderen Jahreswechsel

Der Übergang von 2026 auf 2027 dürfte deshalb für Autofahrer besonders interessant werden.

Zum 31. Dezember endet die vorübergehende Steuerentlastung. Gleichzeitig soll eine neue Regel gegen außergewöhnliche Preissteigerungen geschaffen werden.

Der CO₂-Preis bleibt dagegen stabil und wird nicht zusätzlich angehoben.

Ob Benzin und Diesel Anfang 2027 tatsächlich teurer oder günstiger werden, wird daher vor allem davon abhängen, wie sich die internationalen Ölpreise entwickeln und ob der geplante Preisdeckel tatsächlich aktiviert werden muss.

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