Der deutsche Aktienmarkt hat seine Erholung am Donnerstag deutlich beschleunigt. Der Dax überwand erstmals seit Anfang September wieder die Marke von 26.000 Punkten und schloss mit einem Plus von 1,3 Prozent bei 26.039 Zählern. Auch der MDax legte zu und gewann 1,2 Prozent auf 30.798 Punkte.
Unterstützung kam vor allem von der Geldpolitik. Nach der US-Notenbank Federal Reserve ließ auch die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen unverändert. Der maßgebliche EZB-Zinssatz blieb bei 2,5 Prozent. An den Märkten wurde die Entscheidung als Signal gewertet, dass kurzfristig keine weitere Straffung der Geldpolitik bevorsteht.
Dax erreicht wieder das Niveau von Anfang September
Die jüngste Aufwärtsbewegung des deutschen Leitindex gewann im Tagesverlauf an Dynamik.
Mit einem Schlussstand von 26.039 Punkten überschritt der Dax die psychologisch wichtige Schwelle von 26.000 Punkten. Damit erreichte der Index wieder ein Niveau, das zuletzt Anfang September gesehen worden war.
Die wichtigsten Schlussstände im Überblick:
- Dax: plus 1,3 Prozent auf 26.039 Punkte
- MDax: plus 1,2 Prozent auf 30.798 Punkte
- EZB-Leitzins: unverändert bei 2,5 Prozent
Die freundliche Entwicklung erfasste damit sowohl die großen deutschen Standardwerte als auch viele mittelgroße Unternehmen.



EZB lässt Leitzins bei 2,5 Prozent
Die Europäische Zentralbank entschied sich gegen eine Veränderung der Leitzinsen.
Der maßgebliche Satz blieb wie erwartet bei 2,5 Prozent.
An den Finanzmärkten wurde dies als eher lockeres geldpolitisches Signal interpretiert. Anleger gehen damit vorerst nicht davon aus, dass die EZB unmittelbar eine neue Serie von Zinserhöhungen einleitet.
Für Aktienmärkte ist ein solches Umfeld grundsätzlich günstig, weil höhere Zinsen die Finanzierung von Unternehmen verteuern und gleichzeitig festverzinsliche Anlagen attraktiver machen können.
Notenbanken geben den Märkten Rückenwind
Bereits zuvor hatte die amerikanische Federal Reserve ihre Zinsen unverändert gelassen.
Dass nun auch die EZB keinen weiteren Zinsschritt vollzog, sorgte für zusätzliche Entspannung.
Damit erhalten Anleger derzeit von beiden großen Notenbanken ein ähnliches Signal: Trotz bestehender Inflationsrisiken wird zunächst abgewartet.
Das verringerte am Donnerstag zumindest kurzfristig die Sorge vor weiter steigenden Finanzierungskosten.
Marktstratege sieht Käufer wieder im Vorteil
Andreas Lipkow von CMC Markets beschrieb die Stimmung an den Börsen mit den Worten:
„Die Bullen sind zurück auf dem Parkett.“
Nach seiner Einschätzung liefert auch die laufende Berichtssaison bislang überwiegend positive Impulse.
Einzelne enttäuschende Unternehmenszahlen hätten die insgesamt freundliche Stimmung bislang kaum nachhaltig beeinträchtigt.
Berichtssaison stützt die Kurse
Neben der Geldpolitik spielt die aktuelle Quartalsberichtssaison eine wichtige Rolle.
Viele Unternehmen haben bislang Zahlen vorgelegt, die von Anlegern positiv aufgenommen wurden.
Dadurch entsteht zusätzlicher Rückenwind für die Aktienmärkte.
Enttäuschungen einzelner Konzerne werden derzeit offenbar weniger stark gewichtet, solange das Gesamtbild der Unternehmensberichte stabil bleibt.
EZB wartet trotz hoher Inflation ab
Jens-Oliver Niklasch von der LBBW bezeichnete die Entscheidung der EZB als nachvollziehbar.
Aus seiner Sicht sprechen mehrere Gründe für Zurückhaltung.
Trotz weiterhin hoher Inflation könne die Zentralbank zunächst auf neue Wirtschaftsdaten warten. Gleichzeitig stehen politische Ereignisse bevor, die die Märkte beeinflussen könnten.
Dazu zählen vor allem:
- wichtige neue Konjunkturdaten
- die US-Zwischenwahlen
- die politische Lage in Frankreich
- die weitere Inflationsentwicklung
Eine Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt hätte nach dieser Einschätzung zusätzliche Unsicherheit schaffen können.
Frankreich bleibt ein Risikofaktor
Besonders die politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in Frankreich spielen für die EZB eine wichtige Rolle.
Eine weitere geldpolitische Verschärfung hätte den Druck auf die Märkte möglicherweise erhöht.
Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und damit von erheblicher Bedeutung für die Stabilität der gemeinsamen Währung.
Zusätzliche Unruhe an den französischen Finanzmärkten könnte deshalb schnell auf andere Länder übergreifen.
Lagarde kündigt Rücktritt für Februar 2027 an
Neben der Zinsentscheidung sorgte eine weitere Nachricht aus Frankfurt für Aufmerksamkeit.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde wird ihr Amt am 7. Februar 2027 vorzeitig niederlegen.
Damit entsteht bereits vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 die Möglichkeit, die Nachfolge an der Spitze der Europäischen Zentralbank zu regeln.
Der Zeitpunkt ist politisch besonders relevant, weil die Besetzung des EZB-Präsidentenamts zu den wichtigsten Personalentscheidungen innerhalb der Europäischen Union zählt.
Nachfolge könnte noch vor Frankreich-Wahl geklärt werden
Durch Lagardes vorzeitigen Rückzug eröffnet sich die Möglichkeit, die Personalfrage noch während der Amtszeit des scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu behandeln.
Hintergrund sind Sorgen über die politische Entwicklung in Frankreich.
Im Mittelpunkt steht insbesondere die Frage, wie sich ein möglicher Wahlerfolg eurokritischer Kräfte um Marine Le Pen auf die Besetzung europäischer Spitzenämter auswirken könnte.
Die vorgezogene Entscheidung über die EZB-Führung könnte diese Unsicherheit reduzieren.
Adidas führt die Gewinnerliste an
Unter den Einzelwerten gab es deutliche Unterschiede.
Den stärksten Kursgewinn im Dax verzeichnete Adidas.
Die Aktie legte um 5,2 Prozent zu.
Dahinter folgten:
- Rheinmetall: plus 4,3 Prozent
- Deutsche Bank: plus 4,0 Prozent
Diese drei Werte gehörten zu den größten Gewinnern des Handelstages.
Vonovia verliert 3,6 Prozent
Nicht alle Dax-Unternehmen profitierten von der freundlichen Marktstimmung.
Am unteren Ende der Tabelle stand Vonovia mit einem Verlust von 3,6 Prozent.
Auch SAP gab nach und verlor 1,2 Prozent.
Die GEA Group lag mit 0,3 Prozent im Minus ebenfalls auf der schwächeren Seite des Index.
Damit blieb die Aufwärtsbewegung des Gesamtmarktes trotz der deutlichen Indexgewinne nicht vollständig gleichmäßig verteilt.
Amazon und Intel werden zum nächsten Börsentest
Nach dem starken Handelstag richtet sich der Blick nun auf die USA.
Mit Amazon und Intel legen am Abend zwei Schwergewichte der amerikanischen Technologiebranche ihre Quartalszahlen vor.
Die Ergebnisse könnten neue Impulse für die globalen Aktienmärkte liefern.
Besonders Technologieaktien reagieren derzeit empfindlich auf Abweichungen von den hohen Erwartungen der Anleger.
Dax profitiert von Zinsen und Unternehmenszahlen
Der Anstieg über 26.000 Punkte markiert für den Dax einen wichtigen technischen und psychologischen Schritt.
Der Index profitierte gleichzeitig von mehreren Faktoren:
- unveränderten Leitzinsen der EZB
- einer ebenfalls abwartenden Federal Reserve
- überwiegend positiven Unternehmenszahlen
- nachlassender Sorge vor kurzfristig weiteren Zinserhöhungen
Mit 26.039 Punkten erreichte der deutsche Leitindex damit wieder das Niveau von Anfang September und setzte seine jüngste Erholung deutlich fort.